Der Fischer vom Ebnisee 1u1logo02

Die Geschichte vom Fischer erzählt von Joachim Acker:

Im Welzheimer Wald liegt in einer Talsenke der Ebnisee, ein sehr fischreiches Gewässer, umgeben von dichtem Wald.

Einst, es war wohl gut und gerne so an die zweihundert Jahre her, da fuhr ein Fischer auf den See hinaus, er rauchte eine schöngeschnitzte Ulmer-Pfeife. Und durch eine unvorsichtige Bewegung fiel sie ihm aus dem Mund und ins Wasser, versank in der Tiefe ehe er sie greifen konnte. Ja, da war der Schreck groß, es war seine Lieblingspipe, ein Geschenk von seiner Frau zudem noch, und außerdem die einzige Pfeife die er hatte. Was tun? dachte der Fischer, kurzentschlossen sprang er ins Wasser, er wusste ja dass der See nicht sehr tief war. Aber wie groß war sein Erstaunen als er immer tiefer und tiefer hinabkam, er wollte wieder nach oben, geriet in Panik, strampelte. Nichts half, wie von einer unsichtbaren Kraft gezogen ging's in die Tiefe. Mit einem Male wurde es hell um ihn, er bekam plötzlich wieder Luft.

Der Fischer, bleich vor Schreck und Angst sah sich in einem großen Saal wieder, die Wände der Boden alles bestand aus dunkelgrünen, sich in einer unsichtbaren Strömung windenden und drehenden Wasserpflanzen. Inmitten des Saales war ein großer Tisch, und der Arme traute seinen Augen nicht, mitten drauf lag seine Pfeife, unversehrt, sogar noch ein wenig Rauch kräuselte aus dem Kopf. Er ging auf sie zu, wollte sie nehmen, da wurde sein Arm von einer gewaltigen Hand festgehalten. Er drehte sich um und sah neben sich ein Wesen stehen, weder Mensch noch Fisch, irgendetwas zwischen drin war es. Zweibeinig mit zwei Armen, aber mit einem Schuppenleib und einem Fischkopf. "Ich bin der Herr des Sees", sagte das Wesen, "alles was ins Wasser fällt gehört mir. Wenn du deine Pfeife wiederhaben willst dann musst du mir etwas geben." Der Fischer, starr vor Schreck konnte nur noch mit dem Kopf nicken. "Dann gib mir deinen erstgeborenen Sohn der nächstes Jahr geboren wird, tust du es nicht bist du und deine Pfeife für Immer und Ewig hier unten bei mir, halte dich daran".

Dem Fischer blieb nichts anderes übrig als zuzustimmen, zu sehr hing er am Leben, zu sehr hatte er Angst um die Zukunft seiner Frau. Auf wundersame Weise gelangte er wieder nach oben an die Oberfläche des Sees, nass und erschöpft. Von der Angst und der Sorge gezeichnet ging er dann nach Hause, erzählte alles seiner Frau. Ihr könnt euch vorstellen wie groß das Entsetzen in der armseligen Hütte war. Nun, die Zeit verging, und ihnen wurde tatsächlich ein Sohn geboren und schweren Herzens nahm der Fischer den Kleinen und ging mit ihm an den See, er musste sein Versprechen und die Zusage einhalten, da nützte alles Wehklagen nichts. Inmitten des Sees tat sich plötzlich ein gewaltiger Strudel auf, das Wasser teilte sich wie damals am Meer als Moses die Fluten mit seinem Stab zerteilte, der Wassermann, der Herr der Tiefe kam empor. "Du hältst dein Versprechen", sagte er mit tiefer dröhnender Stimme. Er sah die Angst und die Pein in den Augen des Fischers, sah wie er den Kleinen festhielt, nicht hergeben wollte, aber durch seine Einwilligung dazu gezwungen war. "Ich sehe deine Not", sagte der Herr des Sees, "und ich empfinde Mitleid mit dir, denn du hältst dich an deine Zusage, ich will gnädig sein und dir dies Leid ersparen". Mit diesen Worten verschwand er wieder in der Tiefe, der Strudel schloss sich und der See lag wieder still und ruhig da. Überglücklich fuhr der Fischer zurück ans Ufer, dort sah er im Gras seine Pfeife liegen, seine geliebte einzige Pfeife. Und so schnell er konnte ging er mit dem Kleinen nach Hause und erzählte alles seiner Frau. Wie Froh und Glücklich sie waren, das brauche ich euch nicht erzählen, ich denke das wisst ihr.

Geschichte gefunden bei www.daft.de

 Ja, so erzählte uns damals der Uralte dieses Märchen, ich hab's in Erinnerung behalten und euch weitererzählt. Und wenn ihr einst Kinder habt oder Enkel, dann erzählt die Geschichte weiter und denkt in einer stillen Minute an den Uralten.

Siegfried Wagner
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aktualisiert 21.05.2010